Neuer Taxistand?

Liebe Eltern, unter dem Stichwort „Computer und Schulerfolg“ hat im Mitteilungsblatt aus 4/2006 vielleicht ein pädagogischer Austausch begonnen und zum Nachdenken angeregt, eventuell sogar Veränderungen in Gang gesetzt, was ich mit einem anderen wichtigen Thema nun fortsetzen möchte: Klimaveränderung / Jeder zweite Deutsche hat Übergewicht Themen, die zur Zeit in allen Medien diskutiert werden. Sie werden sich jetzt sicher fragen. „Was hat das Ganze mit uns zu tun, was hat es überhaupt miteinander zu tun, und ist das überhaupt ein pädagogisches Thema?“

55 Prozent der Frauen und 65 Prozent der Männer sind hierzulande übergewichtig, sagen uns die Statistiken. Beim Nachwuchs sind es 15 Prozent und damit knapp 2 Millionen Kinder und Jugendliche. Der Leiter des Forschungsinstituts für Kinderernährung stellt fest, dass Kinder, selbst wenn sie nicht besonders viele Kalorien zu sich nähmen (viele Kinder essen zu fettig und zu süß ) von der Fettleibigkeit allein aufgrund von Bewegungsmangel bedroht seien. Jugendliche sähen mittlerweile lieber fern als Sport zu treiben.

Aufgrund einer Langzeitstudie, die seit 19 Jahren 1400 Kinder von der Geburt bis zum 19. Lebensjahr begleitet, weiß man, dass ein untrainierter 8-jähriger im Jahr 1995 eine Strecke von tausend Metern noch in sechs Minuten laufen konnte, während er jetzt in der gleichen Zeit nur noch siebenhundert Meter schafft. Das sind die Fakten, und nun geht es darum, was wir als Lehrer/innen und Sie als Eltern dagegen tun können: Gesundheitserziehung, Sport treiben und Vorbild sein, wobei das letzte Vorbild sein nach Untersuchungen einen sehr großen Stellenwert in der Erziehung einnimmt.

Auch wenn Sie Ihren Kindern einen Liebesdienst erweisen wollen, indem Sie sie mit dem Auto zur Schule bringen, wenn es gar nicht nötig ist, weil sie aus Ebstorf kommen oder aus den umliegenden Ortschaften, tun Sie ihren Kindern und der Umwelt keinen Gefallen, ganz abgesehen von der Vorbildfunktion, denn Ihre Kinder werden dann höchstwahrscheinlich später genauso das Auto zu überflüssigen Anlässen benutzen, wie Sie es ihnen vorleben.

Sich bewegen „bei Wind und Wetter“ ist angesagt, gerade vor und nach der Schule, als Ausgleich zur kognitiven Leistung in der Schule, und ich weiß auch, dass viele Schüler/innen das tun und von zu Hause auch dazu angeleitet werden.

Aber es gibt leider immer noch viel zu viele Eltern, die es zu gut und damit falsch mit ihren Kindern meinen; ich habe schon Autoschlangen vor der Schule bis zum Busbahnhof gesehen. Die Autos fahren vor bis zum Eingangsweg, das Kind steigt ein oder aus, meistens nur eines, und es geht zu wie bei einem Taxistand. Ich kenne die Argumente dieser Eltern: das Wetter, die schwere Schultasche, die Zeit und die Gefahr durch andere Autos. Für alles gibt es ein Mittel: richtige Kleidung, gute Fahrradtaschen, etwas eher losfahren oder -gehen und Auto fahren nur, wenn es wirklich nötig ist, denn eines ist sicher: Sie selbst sind eine Gefahr für Ihre eigenen und für andere Kinder. Dadurch, dass Sie Auto fahren, sorgen Sie für eine höhere Verkehrsdichte, die noch mehr Aufmerksamkeit erfordert.

Dieses ist keine Maßregelung, sondern soll zur Diskussion anregen und vielleicht dazu führen, sich bewusster dafür zu entscheiden, was Ihnen, Ihren Kindern und dem Klima gut tut.

Angelika Ahrens

Tagebuch