Die Besichtigung des Hüttenwerkes Salzgitter ist seit circa 20 Jahren ein wichtiger Bestandteil des Chemieunterrichts. Die schon zur Tradition gewordene Tagesfahrt bildet den Abschluss der Unterrichtseinheit "Roheisengewinnung", die im Unterricht vermittelten Fachkenntnisse werden vor Ort sehr anschaulich durch die Präsentation der einzelnen Produktionsabschnitte dargestellt. Darüber hinaus lernen die Schüler die besonderen Arbeitsbedingungen und sozialen Gegebenheiten eines modernen Industriebetriebes kennen.
Am Donnerstag, den 15. November war es wieder so weit. Morgens um 7 Uhr machten sich die Abschlussklassen 10a und 10b in Begleitung der Fachlehrer Herr Cassier und Herr Lange mit dem Bus von Seelig auf den Weg nach Salzgitter. Pünktlich um kurz vor 9 Uhr ereichten wir das Tor 1 für Besucher:

Die ständig erhöhten Sicherheitsvorschriften seit 2002 spürten auch wir: Neuerdings müssen alle Beteiligten in einem Anmeldeformular namentlich aufgeführt werden. Nach einer kurzen Begrüßung wurden wir erstmalig in 20 Jahren mit einer für uns recht unerfreulichen Nachricht überrascht: "Das Stahlwerk kann wegen umfangreicher Reparatur- und Erweiterungsarbeiten nicht besichtigt werden!" Das hatte ich noch nie erlebt. Das Dilemma verschlimmerte sich noch, als wir erfuhren, dass das Walzwerk wegen Auswechslung der Walzen ruht. Das war eine schöne Bescherung! Wir ließen uns nicht entmutigen und wurden getrennt in 2 Bussen durch das Werk geführt. Ausgerüstet mit Kopfhörer und Helm besichtigten wir zunächst den Roheisenabstich am Hochofen. Es ist immer wieder eindrucksvoll zu erleben, wie das 1300 °C heiße Eisen mit der darauf schwimmenden Schlacke den Hochofen verlässt und in die Torpedopfanne fließt. Einige Schüler bekamen die hohen Temperaturen an ihren Schuhen zu spüren, als sie unachtsam über die Abflussrinne liefen. Mit einem frischen Bruchstück als Briefbeschwerer in der Hand verließen wir den Hochofen und fuhren weiter an der Kokerei und an dem Stahlwerk vorbei direkt zum Walzwerk. Die im Stahlwerk hergestellten Brammen werden mit Güterwaggons direkt zum Walzwerk gefahren und dort zu dünnen Karosserieblechen für die Autoindustrie verarbeitet.
Aus den oben genannten Gründen war die Besichtigung früher als erwartet zu Ende, und wir machten während der Rückfahrt einen kurzen Abstecher bei McDonald, um nicht länger unter dem knurrenden Magen zu leiden.
Heinrich Cassier