Liebe Schülerinnen, liebe Schüler! Sehr geehrte Eltern!
Es ist soweit, und es wird auch Zeit zu gehen. Ich glaube sagen zu dürfen, dass ich nun, mit 65 Jahren, in den wohlverdienten Ruhestand entlassen werde.
Am 1. August 1969 trat ich meine erste Stelle als Lehrer z.A. (zur Anstellung) an der Realschule in Ebstorf an. Man nannte mich oft den "jungen Spund". Ich war nämlich mehrere Jahre lang der jüngste Kollege. Nun bin ich "der Alte". Damals hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich mein gesamtes Arbeitsleben an dieser einen Schule verbringen würde. Denn als ich im Juni 1969 zur Vorstellung nach Ebstorf reiste und am Bahnhof ausstieg, musste ich das "Kuhdorf" erst suchen. Ich konnte es vom Bahnsteig aus nicht sehen.
Aber inzwischen hat sich Ebstorf zu einem schmucken Ort entwickelt, wie ich finde. Es lässt sich hier gut leben. Und wie es im Leben oft anders kommt als man denkt, habe ich dazu sogar ein klein wenig beigetragen. Als auch meine Frau hier eine Stelle als Lehrerin bekam, beschlossen wir, sesshaft zu werden. Und damit waren die Würfel gefallen.. Flecken–Leben statt Großstadt–Leben.
Und nun ist mein aktives Berufsleben beendet, das meiner Frau noch nicht. Deshalb werde ich jetzt Hausmann, wie man heutzutage zu sagen pflegt, und Freizeitaktivist.
Viele von Ihnen/euch erwarten jetzt vielleicht "große Worte", man müsse doch Bilanz ziehen. Ich wähle die einfache Ausdrucksweise.
Es gab Höhen und Tiefen, wie in fast jedem Berufsleben. Oft ging ich mit Elan und Engagement zum Dienst, aber manchmal "hasste" ich auch die Schule. Die ganz große Mehrheit der Schüler/innen war nett und pädagogisch gut zu führen. Aber natürlich gab es auch manchen "Rüpel" und manche "Zicke". Aber ich glaube, alles in allem kamen wir gut miteinander aus: Lehrer - Schüler - Eltern. Am schwersten fiel es mir – bis heute – mangelhafte Leistungen zu quittieren, auch wenn man mir diese Aussage kaum glaubt. Diese Entscheidungen verursachten Stress und haben mir so manches graue Haar eingebracht. Und dabei musste ich auch eine Erkenntnis gewinnen: "Wenn ich mich selbst auch noch so sehr bemühe, gerecht zu sein, so muss ich doch damit rechnen, selbst nicht immer gerecht behandelt zu werden."
Dafür waren dann die meisten Klassenfahrten eine schöne Abwechslung im Schulalltag, auch wenn sie für den Lehrer anstrengend waren. Ebenso lockerten Schul- und Sportfeste den Alltag auf. Es gab bis etwa 1985 Abschlussbälle der 10. Klassen, die ich immer gerne besuchte, da sie ein fröhlicher und gesellschaftlicher Höhepunkt des Schuljahres waren. Es ist bedauerlich, dass diese Tradition hier leider schon lange eingeschlafen ist.
Ein bis heute nachwirkendes Erlebnis war eine Grillparty mit der 10b auf unserem damals noch "wüsten" privaten Grundstück, aber schon im Angesicht des Rohbaus. Die damalige 10b (1975) sei gegrüßt, mit der ich noch heute Kontakt pflege.
Und nun sind der Worte genug gewechselt. Ich verabschiede mich hiermit offiziell von der Gervasius-Realschule in Ebstorf, und wünsche ihr in der Zukunft gutes Gedeihen. Ich grüße viele aus nah und fern mit einem pädagogischen Wink: "Wenn ich nur wirklich will, dann kann ich auch......... fast alles."
Gunther Dettmer