Nutzt ein Fahrradhelm wirklich?

Praktische Anwendung im Physikunterricht der 7a

"So ein Helm ist doch nicht cool! Darum trage ich nie einen Fahrradhelm!" Diese Aussagen hört man immer wieder, und leider sind sie fahrlässig falsch. Da kam es wie gerufen, dass im Lehrplan der 7. Klasse eines der vielen Themen "elastische und plastische Körper" waren. Beispiele zu diesem Thema waren u.a. Knautschzonen (plastisch) in Autos, die bei schweren Unfällen viel Energie aufnehmen oder Bungee-Springseile (eleastisch). Aber diese Beispiele konnten die Schüler nur im Film sehen.

Plötzlich hatte jemand die Idee, einen Test zu machen: Was bringt ein Fahrradhelm? Schützt er viel oder nur wenig? Schnell wurde ein Plan entwickelt, wie die 7a diese Frage in einem praktischen Versuch klären könnte. Ein Fahrradhelm musste her, und tatsächlich: ein Schüler konnte einen Helm ausmustern und für den Versuch zur Verfügung stellen.

Nun fehlte noch ein Kopf. Was ist groß wie ein Kopf, ähnlich gebaut - jedenfalls physikalisch? Die Entscheidung fiel zugunsten von Melonen, die als Testkörper ausersehen wurden. Wegen der hohen Preise musste die 7a allerdings ein paar Wochen warten, bis "Melonenköpfe" bezahlbar waren.

Am letzten Montag im Mai war es dann soweit: der Test konnte beginnen. Der Plan der 7a sah vier Teile vor:

  1. Melone aus gut 2 Meter Höhe ohne Helm auf den Boden fallen lassen. Die Melone wird sich plastisch verformen, also zerstört werden.
  2. Melone aus der gleichen Höhe mit Helm fallen lassen. Der Helm sollte sich plastisch verformen und dadurch den "Kopf" schützen.
  3. Melone mit beschädigtem Helm fallen lassen. Dabei soll keine Schutzwirkung des Helms mehr möglich sein, da er ja schon verformt ist.
  4. Melone aus 4 Meter Höhe fallen lassen, um die größere Zerstörung zu demonstrieren.

Bei sommerlichem Wetter wurden nun die Videoaufnahmen gemacht, die genau dem Plan folgten. Das Ergebnis ziegen wir hier (leider ist der Ton nicht gut zu verstehen, also bitte die Lautstärkeregelung entsprechend anpassen):

Der ADAC hat im Jahr 2010 Fahrradhelme getestet (Fahrradhelme für Kinder) und kommt zu folgendem Ergebnis:

"Der ADAC hat elf Fahrradhelme für Kinder auf Sicherheit und Handhabung untersucht. Darunter neun herkömmliche Fahrradhelme und zwei spezielle Freeride- oder Skatehelme, die auch auf dem Fahrrad Schutz bieten sollen. Die Preisspanne reicht von 10 bis 45 Euro, die Spanne bei den extravaganten Freeride-Helmen von 35 bis 60 Euro.

Testsieger mit dem ADAC-Urteil „gut“ wurde der Rascal (etwa 40 Euro) von Giro. Er überzeugt besonders im Kriterium Sicherheit. Gute Einzelnoten verdiente er sich auch im Kapitel Handhabung für gute Einstellbarkeit und gute Trageeigenschaften. Knapp dahinter landen die Helme Hero von uvex und Firebird Junior von Alpina. Beide kosten im Handel etwa 40 Euro.

Auch für wenig Geld gibt es gute Sicherheit: Der nur 20 Euro teure Petit von Comus leistete sich keine schlimmen Makel. Er verdiente sich deshalb den achtbaren vierten Platz.

Die Freeridehelme KED Freeride (etwa 35 Euro) und Alpina Airtime (etwa 60 Euro) sprechen mit ihrer Optik sportlich ambitionierte Kinder und Jugendliche an. Die Schutzwirkung dieser Helme war zwar nicht zu beanstanden, doch die schlechte Erkennbarkeit bei Tag und Nacht bietet wichtiges Verbesserungspotential. Weitere Defizite muss man bei diesen Helmen auch beim Kapitel Handhabung in Kauf nehmen: Die Belüftung ist bei beiden gerade noch ausreichend, auf Insektenschutz wurde ganz verzichtet.

Eigentlich unverständlich: Die Erkennbarkeit der Helme wird von einigen Herstellern noch immer völlig vernachlässigt. Weder passive Beleuchtung, also Reflektoren oder Reflektionsfolien, noch aktive Beleuchtung schützen die Träger des Hudora joey Monsun und des KED Freeride. Wenig besser sieht es beim Alpina Firebird Junior, bei Casco Follow Me II und Alpina Airtime aus. Diesen drei spendierten die Hersteller nur kleinere Reflektoren."

Wer nach dem Betrachten des Films und dem Lesen des Textes keinen Helm trägt, trifft für sich möglicherweise eine folgenschwere Entscheidung. Die Schülerinnen und Schüler der 7a waren jedenfalls sehr beeindruckt.

Jörg-Dietrich Kaufmann

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