Nach dem Lesen des Romans „Die neuen Leiden des jungen W.“ von Ulrich Plenzdorf bot sich uns die Möglichkeit, unsere Vorstellung, die wir bei der Lektüre entwickelt hatten, mit einer Bühnenfassung zu vergleichen.
Unser Ziel nannte sich Thalia-Theater in Hamburg. Wir besuchten die 20-Uhr-Vorstellung und fuhren daher pünktlich um 17 Uhr vom Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen Richtung Hamburg ab. Gegen 18 Uhr trafen wir munter und schon ganz gespannt im Hamburger Hauptbahnhof ein. Wir vereinbarten einen Treffpunkt und hatten nun eine Stunde Zeit herauszufinden, was „freier Wille“ auf Hamburgisch bedeutet. Ich schätze, die primären Ziele rochen lecker und nannten sich „McDonald’s“ oder „Burger King“.
Um 19 befanden wir uns unterirdisch mit der S-Bahn auf dem Weg in die Gaußstraße. Im Theater eingetroffen, enttäuschte uns zunächst einmal die geringe Größe und die eher technische Ausstattung. Wir befanden uns nämlich nicht im Haupthaus (Alstertor, linkes Bild),
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sondern auf der Studiobühne (rechtes Bild). Auf der Tribüne mit einfachen Sitzen hatten wir freie Platzwahl.
Sechs Schauspieler, von denen vier relativ jung waren, teilten sich auf einer Drehbühne, die sehr variabel eingesetzt wurde, die Darstellung der Figuren des Romans. Ein von der Hauptfigur Edgar mitgebrachtes Klo, auf das er sich setzte, um in stiller Ruhe den Werther von Goethe zu lesen, sorgte für Lacher im Publikum. Auch ein Versprecher „Kauf dir Geld, wenn du was brauchst!“ statt „Arbeite, wenn du Geld brauchst!“ wurde vom Publikum und den Darstellern mit Humor aufgenommen. An dieser Stelle ein großes Lob an den Hauptdarsteller Ole Lagerpusch (aber nicht nur an ihn), der die nicht nur jungen Zuschauer fröhlich für sich einnahm und gleichzeitig erkennen ließ, dass sich hinter seiner lockeren Fassade Unsicherheiten, Ängste und die Suche nach Anerkennung und Liebe versteckten. Auch die Bühnentechnik, Licht-, Musik- und Video- und Beamereinsatz sorgten für mitreißende Effekte. Wie in Goethes „Werther“ endet auch der neue W. (Edgar Wibeau) tragisch.
Im Großen und Ganzen war die Aufführung „Die neuen Leiden des jungen W.“ sehenswert.
Um 22.15 befanden wir uns schon wieder auf dem Rückweg nach Uelzen. Zu Hause angekommen, fielen sicher nicht nur Frau und Herr Ahrens zufrieden und erschöpft ins Bett.
Hussein Salim, 10a