Am 22. April 2008 begaben sich die Klassen 10a und 10b im Rahmen des Geschichts- und Religionsunterrichts auf den Weg in die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Im Rahmen einer Führung erfuhren wir viel über deren Geschichte.

Von der Wehrmacht errichtet, befand sich während der Zeit des Zweiten Weltkrieges dort zunächst ein Lager, in welchem nach dem Überfall auf Frankreich französische und belgische Kriegsgefangene in Baracken untergebracht wurden. Ab Juli 1941 trafen nach dem Überfall auf die Sowjetunion mehr als 20.000 sowjetische Kriegsgefangene ein, die man anfänglich über Monate unter freiem Himmel zusammengepfercht gefangen hielt. Seit 1943 wurde ein Teil des Lagers von der SS dazu benutzt, um neben anderen jüdischen Gefangenen auch sogenannte „Austauschjuden“ festzuhalten, die gegen im Ausland in Gefangenschaft geratene Deutsche ausgetauscht werden sollten. Das Häftlingslager entwickelte sich seit März 1944 zu einem „Aufnahmelager“ für total erschöpfte, kranke und zur Zwangsarbeit nicht mehr einsatzfähige Häftlinge anderer Konzentrationslager. Ab August 1944 wurden angesichts des Vormarsches der sowjetischen Truppen Tausende von weiblichen Häftlingen aus anderen Konzentrationslagern eingeliefert. Zu ihnen gehörten auch Anne Frank und ihre Schwester, die beide wenige Wochen vor Kriegsende an Typhus verstarben.
Immer mehr Menschen wurden während des Krieges in diesem Lager untergebracht. KZ-Arbeiter aus frontnahen Lagern wie Sachsenhausen wurden in Bergen-Belsen interniert. Im Dezember 1944 war das Lager total überfüllt. Tausende Menschen starben wegen der katastrophalen hygienischen Zustände, an Unterernährung oder sich schnell verbreitenden Krankheiten.
Das Lager in Bergen-Belsen wurde am 15. April 1945 von britischen Soldaten befreit. Obwohl von den Engländern sofort Maßnahmen zur Rettung der befreiten Häftlinge eingeleitet wurden, waren viele Menschen durch das Lagerleben so geschwächt, dass sie in den folgenden Monaten verstarben. Viele Leichen wurden in Massengräbern beigesetzt und um der Verbreitung von Seuchen vorzubeugen, wurden die Baracken niedergebrannt.

In dem ehemaligen Konzentrationslager befindet sich heute eine Gedenkstätte, die über ein im Jahre 2007 neu eröffnetes Dokumentationszentrum verfügt. Dieses Gebäude wirkte auf uns kalt und nüchtern, ein Ort, an dem man mit dem Unbegreiflichen konfrontiert wird und dem man nicht ausweichen kann. Viele der ausgestellten Fotos und Schriftstücke schockierten uns.

In Filmen sind Interviews mit Menschen zu sehen, die das Glück hatten, dieses Grauen zu überleben und die ihre Lebensgeschichte erzählen.
Nach unserem Rundgang durch das Informationszentrum fuhren wir zur „Rampe“, welche circa 5 km vom Lager entfernt liegt. Dies war der Platz, an dem die Gefangenen nach einem qualvollen Transport in Güterwagen, oft schlimmer als Tiere auf engstem Raum zusammengedrängt, mit dem Zug ankamen. Für uns war es kaum vorstellbar, dass so viele Menschen unter so unsagbar schrecklichen Bedingungen oft tagelang von anderen Lagern nach Bergen-Belsen transportiert wurden und viele diesen Transport nicht überstanden.

Zuletzt gingen wir zum ehemaligen Haupteingang des Lagers. Der erste schöne Frühlingstag dieses Jahres ...

... wollte nicht so recht zu dem beklemmenden Gefühl passen, als wir an den Massengräbern vorbeigingen und uns vorstellten, was es an diesem Ort für Grausamkeiten gegeben hat. Viele von uns hat dieser Besuch zum Nachdenken angeregt.
Klasse 10b