Schulleiter der Mittelschule / Realschule
1926 - 1938 Emil Hoins
1938 - 1940 Ernst Bleuel
1940 - 1945 Emil Hoins (kommissarisch)
Ab 16.Nov 1945 H. Behrens (kommissarisch)
1946 - 1949 Dr. Löhrke
1949 - 1960 Wilhelm Spangenberg
1960 - 1977 Werner Ehlers
1977 - 1978 Otto Wernick (kommissarisch)
1978 - 1991 Eberhard Schimmel
1991 - 1993 Ingolf Drenikow (kommissarisch)
1993 - 2009 Jürgen Schneider
seit 2009 Jörg-Dietrich Kaufmann
Vor der Gründung der Mittelschule hatte es in Ebstorf schon eine Reihe von Anstrengungen gegeben, die Schülerinnen und Schülern neben oder nach dem Besuch der Volksschule auf eine höhere Bildungseinrichtung vorzubereiten.
Schon 1870 wurde eine Privatschule gegründet, deren Hauptaufgabe es war, die Kinder für weitere Bildungsgänge an höheren Schulen zu befähigen. Sie hat über 30 Jahre bestanden und ging aber dann 1904 wieder ein. Das lag einerseits darin begründet, dass es immer schwieriger wurde, geeignete Lehrkräfte zu gewinnen, andererseits in der zu geringen Schülerzahl. Denn infolge des Ausbaus der höheren Knabenschule in Uelzen zur Vollanstalt schickten die Eltern vielfach ihre Jungen schon gleich dorthin.
Ein Jahr nach Schließung der Privatschule wurde zu Ostern 1905 in den oberen Räumen des Amtshauses, dem späteren Gebäude der Volksschule, eine gehobene Abteilung mit zwei Klassen eingerichtet. Sie nahm anfangs eine erfreuliche Entwicklung und hatte in ihren besten Jahren (1907 - 1911) 50 - 60 Schüler. Dann ging aber die Schülerzahl zurück, und während des Krieges wurde die gehobene Abteilung wieder abgebaut. Nachdem man 1917 den Unterricht der zweiten Klasse eingestellt hatte, versuchte man wieder den Aufbau einer Privatschule. Kleine Privatschulen waren aber selten lebensfähig, weil man meist nicht die geeigneten Lehrkräfte finden und einstellen konnte. So musste auch diese zweite Privatschule bald wieder geschlossen werden.
Im Jahr 1924 wurde unter der Leitung von Rektor Hoins an der Volksschule wieder eine gehobene Abteilung eingerichtet. Der Aufbau begann mit zwei Jahrgängen mit dem Ziel, diese bei günstiger Entwicklung zur Mittelschule auszubauen. Da die gehobene Abteilung ein Teil der Volksschule war, wirkten sich die geltenden Sparmaßnahmen hemmend auf den Ausbau einer Mittelschule aus. Weil die Schule wegen unzureichender Räume nicht als voll ausgebaute Anstalt anerkannt werden konnte, musste die Abschlussklasse im Herbst 1928 auf die Mittelschule in Uelzen übergehen, um dort die mittlere Reife zu erwerben.
Der damalige Rektor Hoins stellte deshalb bei der Fleckensverwaltung einen Antrag auf Umwandlung der gehobenen Abteilung in eine selbständige Mittelschule. Nachdem der Fleckenausschuss diesen Antrag genehmigt hatte, konnte nach Zustimmung der Regierung Ostern 1926 die selbstständige Mittelschule eröffnet werden. Sie umfasste vier Klassen, die von den Lehrkräften Emil Hoins, Dr. Denecke und Dr. Stever in den Räumen der Volksschule unterrichtet wurden.
Schon sehr bald machte sich Raumnot breit, und es entstand der Wunsch nach einem eigenen Schulgebäude. Die geltenden Sparmaßnahmen in einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs stellten den Neubau einer Mittelschule sehr in Frage. Auch im Fleckenausschuss wurde dieses Bauvorhaben kontrovers diskutiert.
Eine Anekdote berichtet von einer List, die der damalige Bürgermeister Major Halle anwandte, um die Schule zu retten und die Abstimmung zugunsten eines Neubaus zu beeinflussen. Über den Rektor Hoins wurde der Schneidermeister Oldhafer aus der Uelzener Straße gebeten, wegen Krankheit an der entscheidenden Sitzung des Fleckenausschusses zu fehlen. So hatten die Befürworter eines Schulneubaus die Mehrheit und konnten somit einen entsprechenden Beschluss herbeiführen. Der Baubeschluss folgte und mit ihm die Aufnahme eines Darlehens von 80000 RM (Reichsmark), was eine gewaltige Summe für die damalige Zeit war und eine lange Belastung für den kommunalen Haushalt bedeutete.
Als der Bau gesichert war, fand am 29. und 30. Oktober 1929 eine Anerkennungsprüfung durch die Regierung statt. Am 30. Januar 1930 wurden neue Schule dann vom Unterrichtsministerium als voll ausgebaute Mittelschule anerkannt. Am 5. August 1930 feierte man in Anwesenheit der Behörden, des Schul- und Fleckenvorstandes, der Leiter der benachbarten Schulen, der Schüler und vieler Eltern die Einweihung des neuen Mittelschulgebäudes an der Fischerstraße.
Während in der Vergangenheit persönliche Unstimmigkeiten den Bau des neuen Schulbaus verzögert hatten, war inzwischen das Vertrauen der Ebstorfer Bürger und des Rates der Gemeinde in die neue Schulsituation gestiegen. Sie vertrauten weiterhin ihre Kinder dem neuen Schulsystem an und stabilisierten damit den ohnehin knappen Schülerbestand. Vertrauen und ein gesunder Optimismus begleiteten die Arbeit der neuen Mittelschule.
In der späteren Geschichte waren es wiederum diese beiden Faktoren, die tragend waren, wenn es aus verschiedenen Gründen darum ging, die Mittelschule und später die Realschule aufzulösen. War es die Zeit der Uniformierung vor dem zweiten Weltkrieg, die sich überschlagene Schulreformierung nach dem Zusammenbruch oder die Schulstrukturdebatten der letzten Jahre, die häufig durch Ideologien geprägt waren.
Das neue Schulgebäude von 1930 wurde vorn Baumeister und Architekten v.d. Berg für etwa 120 Schülerinnen und Schüler konzipiert. Er berichtete bei der Einweihungsfeier von den Vorgaben, die bei der Planung berücksichtigt werden mussten. So sollte der Bau möglichst sparsam mit wenigen Mitteln durchgeführt werden. "Wenn auch Manches hätte schöner und besser ausgeführt werden können, so war es nicht Geiz, sondern Sparsamkeit, die die Ausführung dieses Baus geprägt hat", so der Baumeister bei der Übergabe des Schlüssels an den Fleckenvorsteher Major Halle. Dieser dankte dem Architekten für den wohlgelungenen Schulbau und die vorbildliche Betreuung während der Bauphase. Den Ebstorfer Handwerkern bescheinigte er die zufrieden stellende Ausführung aller Arbeiten.
Rektor Hoins übernahm die Schlüssel aus der Hand des Fleckenvorstehers und versprach darüber zu wachen, dass die neuen Räume möglichst lange in ihrem jetzigen schönen Zustand erhalten bleiben. "Möchte so wie heute die Sonne über uns lacht, auch über der Schule die Sonne fröhlichen Gedeihens stehen". Mit diesen Wünschen schloss der Rektor das neue Gebäude auf. Im Jahr der Eröffnung wurden 108 Kinder, 65 Knaben und 43 Mädchen im neuen Mittelschulgebäude beschult.
Der zweite Weltkrieg riss schreckliche Lücken in die Reihen unserer ehemaligen Schüler. Er rief die Schüler zu vielerlei Diensten auf, von der Erntehilfe bis zum Flakdienst. Für Flüchtlinge aus Holland musste der größte Teil des Schulgebäudes geräumt werden. In der Georgs-Anstalt wurden zwei Räume als Ersatz zur Verfügung gestellt. Unter größten Sorgen und Schwierigkeiten endete kurz vor Ostern 1945 das Schuljahr.
Erst am 16. November 1945 wurde die Mittelschule wieder eröffnet. Von diesem Zeitpunkt stieg die Schülerzahl gewaltig an. Sämtliche Klassenräume waren viel zu klein, um die Schülerzahl zu fassen. Jede Klasse hatte in der Woche mindestens zwei freie Tage. Die große Mehrheit der Schüler waren Kinder von Vertriebenen. Für ihr Frühstück sorgte die von der Schule sehr gut organisierte Speisung.
Die Währungsreform im Jahre 1948 ermöglichte die Aufstellung eines gültigen Schuletats. Man hatte vielfach geglaubt und gehofft, dass die Währungsreform die Schülerzahl vermindern würde. Das Gegenteil war aber der Fall. 1953 erreichte die Schule mit 500 Kindern in 12 Klassen ihre größte Ausdehnung.
Aus freiwilligen Spenden der Elternschaft und ohne den Flecken oder die Regierung in Anspruch zu nehmen, wurden in einer Baracke zwei Schulräume neu erstellt. Aus Spendenmitteln wurde im Keller eine Schulküche eingerichtet und für die Jungen ein Werkraum eingeplant. 1952 nahm die Mittelschule als wahlfreies Fach den Unterricht im Maschinenschreiben auf. Der rege Zuspruch erwies seine Notwendigkeit.
Nachdem die Elternschaft sich wegen der akuten Raumnot an das Kultusministerium im Hannover gewandt hatte, kam es 1957 zu einem Gespräch im Kultusministerium. Der damalige Rektor Spangenberg erarbeitete eine Denkschrift über die Notwendigkeit eines Erweiterungsbaus der Mittelschule Ebstorf. Der Elternverein der Ebstorfer Mittelschule hatte bereits einen Betrag von 36000 DM für dieses Bauvorhaben angespart. Am 14. April 1961 wurde mit dem ersten Spatenstich durch den Schulleiter, Werner Ehlers, der erste Erweiterungsbau zur Mittelschule begonnen. Bereits am 8. August 1961 konnte das Richtfest gefeiert werden. Am 30. April 1962 erfolgte die feierliche Einweihung des neuen Hauses.
Der Architekt Meyer - ein ehemaliger Schüler unserer Schule - hatte in seiner Planung und späteren Ausführung den Altbau mit dem Neubau durch eine schöne Pausenhalle miteinander verbunden. Im Neubau waren neben neuen Klassenräumen eine Küche, ein Werkraum und ein Physikraum untergebracht.
Die alten Unterrichtsbaracken waren nun überflüssig geworden und standen zum Abriss bereit. Nachdem die neuen freundlichen Räume des Erweiterungsbaus von Schülern und Lehrern gern angenommen wurden, folgte bald ein neuer Festakt.
Im folgenden Jahr errichtete der Schulträger, der Landkreis Uelzen, an der Stadionstraße eine neue Turnhalle, die mit vielen Darbietungen der Schülerinnen und Schüler feierlich eröffnet wurde. Zum Schluss trat der ehemalige Rektor Hoins ans Rednerpult und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass seine von ihm gegründete Schule nun in solchem Glanz erstrahlte. Durch die stetig steigenden Schülerzahlen dauerte es nicht lange, bis die vorhandenen Schulgebäude wieder nicht mehr ausreichten, um alle Schüler zu beschulen.
Im Jahr 1971 wurde nach Planung und Ausführung durch den Schulträger ein weiterer Erweiterungsbau mit anschließender Aula errichtet. Nun verfügte die Schule neben neuen Klassenräumen zusätzlich über einen Musikraum, einen Biologieraum und eine große Festhalle mit Bühne und moderner Musikanlage.
Rektor Werner Ehlers schreibt in seinen Erinnerungen: "Nunmehr waren alle Voraussetzungen für einen guten Unterricht geschaffen. Jetzt galt es, die Schule mit Leben zu erfüllen."
So wie die Schule sich baulich bis 1971 entwickelt hat, ist sie noch heute erhalten. Sie besteht aus den Gebäudeteilen: dem Altbau von 1930, dem Mittelbau von 1961 und dem Neubau mit der Aula von 1971. Nach Auflösung der Orientierungsstufe im Jahr 2004 wurde ein Teil der Räumlichkeiten im Schultrakt hinter der Aula genutzt. Durch großzügige Unterstützung des Schulträgers konnten immer wieder alle Räumlichkeiten renoviert, modernisiert und dem Fachbedarf angepasst werden. So wurden zum Beispiel das Sprachlabor ersetzt durch modern ausgestattete Computerräume und der gesamte naturwissenschaftliche Bereich sowie der Werkbereich neu ausgestattet.
Durch einen Modellversuch der Eigenbudgetierung im Bereich Heizung, Wasser und Strom konnte die Schule durch den sparsamen Umgang mit den Ressourcen finanzielle Mittel erwirtschaften. Diese wurden wiederum in der Schule investiert. So wurde die Pausenhalle mit neuen Möbeln ausgestattet, eine Solaranlage auf der Turnhalle installiert oder technische Geräte (z.B. Beamer und Computer) angeschafft.
Wie früher der Elternverein unterstützt heute ein Förderverein die pädagogische Arbeit der Schule.
Jürgen Schneider